Wie läuft ein Softwareentwicklungsprojekt ab? – Von der Idee bis zum Go-live
Unternehmen, die in individuelle Softwareentwicklung investieren, scheitern häufig weder an unzureichenden finanziellen Mitteln noch an mangelnder technologischer Ausstattung – sie scheitern an einem strukturlosen Vorgehen. Eine fundierte Kenntnis der sieben Phasen eines Softwareentwicklungsprojekts sowie deren konsequente Durchführung erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich.
Standardsoftware adressiert Standardprobleme. Unternehmen hingegen, die komplexe, individuell geprägte Geschäftsprozesse abbilden möchten, sind auf maßgeschneiderte Softwarelösungen angewiesen. Genau an diesem Punkt beginnt eine Herausforderung, die von zahlreichen Führungskräften systematisch unterschätzt wird: Ein Softwareentwicklungsprojekt ist kein trivialer Beschaffungsvorgang – es handelt sich vielmehr um einen strukturierten Entwicklungsprozess, der unternehmerische Disziplin, sorgfältige Planung sowie die Zusammenarbeit mit einer geeigneten Agentur für Softwareentwicklung voraussetzt.
Gemäß dem Standish Group CHAOS Report scheitern rund 66 Prozent aller IT-Projekte – sie werden abgebrochen, überschreiten das vorgesehene Budget oder erfüllen den definierten Funktionsumfang nicht. Als häufigste Ursache gilt mangelnde Prozessklarheit in der Initiierungsphase. Wer demgegenüber die typischen Phasen eines Projekts zur Entwicklung individueller Softwarelösungen kennt, ist in der Lage, fundiertere Entscheidungen zu treffen – sowohl auf Seiten der Auftraggeber als auch der Auftragnehmer.
Phase 1: Discovery und Anforderungsanalyse
• Geschäftsziele: Welches Problem soll die Software lösen? Welche Prozesse werden automatisiert oder verbessert?
• Stakeholder: Wer nutzt die Software? Welche Abteilungen sind betroffen?
• Systemintegration: Welche bestehenden Systeme (ERP, CRM, Datenbanken) müssen angebunden werden?
• Technische Rahmenbedingungen: Welche Infrastruktur, welche Sicherheitsanforderungen, welche regulatorischen Vorgaben gelten?
Das Ergebnis dieser Phase ist ein detailliertes Lastenheft oder ein Product Requirements Document (PRD). Dieses Dokument bildet die Vertragsgrundlage für alle weiteren Schritte und schützt beide Seiten vor Missverständnissen. Praxishinweis für Entscheider: Investieren Sie in diese Phase mindestens so viel Zeit wie in die Auswahl des Dienstleisters. Fehler, die hier entstehen, kosten in späteren Phasen viel an Zeit und Budget.
Phase 2: Konzeption und Architekturplanung
• Systemarchitektur: Welche technische Struktur trägt die individuelle Softwarelösung? Monolithisch oder Microservices? Cloud-nativ oder On-Premise?
• Tech-Stack: Welche Programmiersprachen, Frameworks und Datenbanken kommen zum Einsatz?
• UX-Konzept: Wie wird die Benutzeroberfläche gestaltet? Erste Wireframes und User-Flow-Diagramme entstehen.
• Projektplan: Meilensteine, Sprints, Ressourcenplanung und Zeitrahmen werden festgelegt.
Die Architekturentscheidungen dieser Phase bestimmen die Wartbarkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit der Software für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Wer hier auf kurzfristige Kosteneinsparungen setzt, zahlt langfristig durch technische Schulden.
Phase 3: UX/UI-Design
• Fehler in der Benutzerführung früh sichtbar macht,
• die späteren Entwicklungskosten durch klare Spezifikationen reduziert und
• die Akzeptanz bei den späteren Nutzern erhöht.
Interaktive Prototypen ermöglichen es, die maßgeschneiderte Software bereits vor der Entwicklung in realistischen Szenarien zu testen. Feedback aus dieser Phase ist günstig. Feedback nach dem Go-live ist teuer.
Phase 4: Entwicklung
• Die Entwicklung erfolgt in kurzen Zyklen, sogenannten Sprints (meist zwei Wochen).
• Am Ende jedes Sprints wird ein funktionsfähiges Teilprodukt (Increment) geliefert und vom Auftraggeber abgenommen.
• Anforderungen können – innerhalb definierter Grenzen – angepasst werden, wenn sich Rahmenbedingungen ändern.
Dieser iterative Ansatz schützt Auftraggeber davor, am Ende eines langen Entwicklungsprozesses eine Software zu erhalten, die nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht. Regelmäßige Sprint-Reviews sind kein Luxus – sie sind das wichtigste Steuerungsinstrument für Führungskräfte.
Die Entwicklung umfasst typischerweise:
• Backend-Entwicklung: Datenbankstrukturen, Geschäftslogik, API-Schnittstellen
• Frontend-Entwicklung: Benutzeroberflächen, Responsive Design, Barrierefreiheit
• Systemintegration: Anbindung an bestehende Systeme, Schnittstellen zu Drittanbietern
Phase 5: Qualitätssicherung und Testing
Unit-Tests
Einzelne Codebausteine werden isoliert geprüft
Integrationstests
Zusammenspiel mehrerer Komponenten wird getestet
Systemtests
Die gesamte Anwendung wird in einer kontrollierten Umgebung geprüft
User Acceptance Tests (UAT)
Echte Nutzer testen die Software gegen die ursprünglichen Anforderungen
Performance- und Lasttests
Die Software wird unter realistischen Nutzungsszenarien auf Stabilität geprüft
Sicherheitstests
Schwachstellen und Sicherheitslücken werden systematisch identifiziert
Gerade bei individuellen Softwarelösungen im regulierten Umfeld – etwa in der Finanz-, Gesundheits- oder Logistikbranche – sind umfangreiche Testprotokolle nicht optional, sondern gesetzlich vorgeschrieben.
Phase 6: Deployment und Go-live
1. Staging-Umgebung: Die Software wird zunächst in einer Produktionsnahen Testumgebung deployt. Dort werden finale Integrationstests durchgeführt.
2. Datenmigration: Bestehende Daten aus Altsystemen werden strukturiert in die neue Umgebung überführt. Datenmigration ist einer der fehleranfälligsten Schritte – sorgfältige Planung und mehrfaches Testen sind Pflicht.
3. Rollout-Strategie: Je nach Komplexität und Nutzeranzahl wird zwischen einem Big-Bang-Rollout (alle Nutzer gleichzeitig), einem phasenweisen Rollout oder einer Canary-Deployment-Strategie (schrittweise Ausweitung auf Nutzergruppen) gewählt.
4. Hypercare-Phase: In den ersten zwei bis vier Wochen nach dem Go-live steht das Entwicklungsteam in erhöhter Bereitschaft, um kritische Fehler unmittelbar zu beheben.Der Go-live ist kein Projektende – er ist der Beginn des produktiven Betriebs.
Phase 7: Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung
• Service Level Agreements (SLAs): Definierte Reaktionszeiten bei Fehlern und Ausfällen
• Reguläre Updates: Sicherheits-Patches, Performance-Optimierungen, Anpassungen an neue Betriebssystemversionen
• Feature-Entwicklung: Erweiterungen der Software auf Basis von Nutzerfeedback und strategischer Weiterentwicklung
Wer individuelle Softwareentwicklung als Einmalprojekt betrachtet, unterschätzt die Gesamtkosten. Der Kaufpreis ist der Anfang, nicht das Ende der Investition.
Was Führungskräfte aus dem Prozess mitnehmen sollten
Investieren Sie in die Discovery-Phase.
Wer Anforderungen zu Beginn schärft, spart Budget am Ende.
Treffen Sie die Wahl einer Agentur für Softwareentwicklung auf Basis ihrer Prozessreife – nicht allein anhand des Preises.
Erfahrene Anbieter bringen nachgewiesene strukturelle Kompetenz mit – weniger erfahrene hingegen bergen das Risiko organisatorischer Defizite und projektgefährdender Ineffizienzen.
Bleiben Sie als Auftraggeber aktiv eingebunden.
Agile Projekte funktionieren nur mit einem engagierten Product Owner auf Auftraggeberseite.
Planen Sie Budget für Betrieb und Weiterentwicklung ein.
Individuelle Softwarelösungen sind Investitionsgüter, keine Verbrauchsmaterialien.
Fordern Sie Transparenz über den gesamten Projektverlauf.
Regelmäßige Sprint-Reviews und nachvollziehbare Fortschrittsberichte sind kein Misstrauensvotum – sie sind professionelles Projektmanagement.
Individuelle Softwareentwicklung bietet Unternehmen die Möglichkeit, Wettbewerbsvorteile durch digitale Prozesse zu schaffen, die Standardsoftware nicht abbilden kann. Der Weg dorthin ist strukturierbar – wenn man ihn kennt.
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